Besichtigung LeNa Haus Basel
Aktualisiert: vor 3 Tagen
Giancarlo Jannuzzi und Ivano Coletto besuchen das LeNa-Haus im Juli 2026 und tauschen sich mit Peter Würmli, Präsident der Bau- und Wohngenossenschaft LeNa aus.
Ivano Coletto, 10. Juli 2026
Zum Lernen braucht es den Blick über den eigenen Tellerrand hinaus. Nicht, weil man an der eigenen Idee zweifelt, sondern weil man verstehen möchte, wie sie im echten Leben funktio-niert.
Genau deshalb haben wir das LeNa-Haus in Basel besucht. Die Wohnbaugenossenschaft gilt als eines der bekanntesten Beispiele für gemeinschaftliches Wohnen in der Schweiz. Zu-sammen mit Peter Würmli, Präsident der Genossenschaft, durften wir das Haus besichtigen, seine Wohnung kennenlernen und die verschiedenen Gemeinschaftsräume entdecken. Noch wertvoller als die Führung war aber das offene Gespräch über den Alltag: Was funktio-niert gut? Wo entstehen Spannungen? Und was braucht es, damit so viele Menschen lang-fristig gut zusammenleben können?
Unser wichtigstes Fazit zeichnete sich im Verlauf des Gesprächs ab: Wir verfolgen mit il Vico keine Utopie.
Das, wovon wir sprechen, wird in Basel bereits gelebt. Und zwar erfolgreich.

LeNa Haus Basel Gemeinschaftsraum (Quelle swiss-arc.ch)
Diese Erkenntnis hat uns beeindruckt und gleichzeitig darin bestärkt, unseren Weg weiter-zugehen.
Natürlich hat jedes Wohnprojekt seine eigenen Rahmenbedingungen. Gerade deshalb war es spannend zu hören, dass auch im LENA-Haus unterschiedliche Bedürfnisse aufeinander-treffen. Gemeinschaft entsteht nicht einfach von selbst. Sie muss gestaltet werden. Sie braucht Regeln, gegenseitigen Respekt und Menschen, die bereit sind, miteinander Lösun-gen zu finden.
Ein zentraler Hebel für das Gelingen ist die Durchmischung der Generationen.
Im LeNa-Haus leben Menschen unterschiedlichen Alters zusammen: ein Querschnitt der be-stehenden Gesellschaft. Für il Vico sehen wir unseren Weg etwas anders. Wir möchten den Schwerpunkt bewusst auf zwei Gruppen legen: Familien und Menschen im dritten Lebens-abschnitt. Beide Lebensphasen können sich gegenseitig bereichern. Kinder bringen Leben, Begegnungen und Zukunft. Ältere Menschen bringen Erfahrung, Zeit und Stabilität.
Gleichzeitig glauben wir, dass beide Gruppen ungefähr gleich stark vertreten sein sollten. Nicht, weil Zahlen entscheidend sind, sondern weil ein gutes Gleichgewicht hilft, unterschied-liche Bedürfnisse fair zu berücksichtigen. Wenn eine Gruppe deutlich überwiegt, besteht die Gefahr, dass ihre Interessen den Alltag bestimmen. Ein einfaches Beispiel: Dürfen Kinder im Innenhof Fussball spielen oder wünschen sich viele ältere Bewohner mehr Ruhe? Solche Fragen lassen sich einfacher lösen, wenn keine Seite dauerhaft in der Minderheit ist.

LeNa Haus Basel Cantilena (Quelle swiss-arc.ch)
Ein weiterer Punkt hat uns besonders gefreut. Im Gespräch wurde deutlich, dass der soziok-ratische Ansatz im Alltag funktioniert. Entscheidungen werden gemeinsam getroffen, Ver-antwortung wird verteilt und unterschiedliche Meinungen finden ihren Platz. Genau dieses Modell möchten wir auch bei il Vico anwenden.
Für uns ist das ein grosser Vorteil. Wir beschäftigen uns bereits heute mit soziokratischen Arbeitsweisen und können viele dieser Prinzipien von Anfang an in die DNA unseres Projekts aufnehmen. Was andere erst nachträglich entwickeln müssen, möchten wir von Beginn an mitdenken.
Der Besuch hat uns aber nicht nur beim Thema Zusammenleben weitergebracht. Auch or-ganisatorisch konnten wir wichtige Erkenntnisse mitnehmen.
Wir sind überzeugt, dass der Verein heute die richtige Organisationsform für unser Projekt ist. In dieser Phase geht es darum, Menschen zusammenzubringen, Ideen zu schärfen, Erfah-rungen zu sammeln und ein tragfähiges Netzwerk aufzubauen.
Gleichzeitig sehen wir bereits den nächsten Schritt. Sobald diese Aufbauphase abgeschlos-sen ist, können wir uns gut vorstellen, innerhalb des nächsten Jahres eine Genossenschaft zu gründen. Damit schaffen wir die passende Grundlage für die eigentliche Umsetzung unseres Wohnprojekts. Eine Genossenschaft eröffnet neue Möglichkeiten für die Zusammenarbeit mit Gemeinden, Stiftungen, regionalen Genossenschaftsverbänden und anderen Wohnbau-genossenschaften. Sie schafft Vertrauen und bietet einen klaren rechtlichen Rahmen für die nächsten Entwicklungsschritte.
Wir sind mit vielen Eindrücken nach Hause gefahren. Noch wichtiger als einzelne Ideen war jedoch das Gefühl, auf dem richtigen Weg zu sein.
Der Besuch im LeNa-Haus hat uns gezeigt, dass gemeinschaftliches Wohnen keine Vision für eine ferne Zukunft ist. Es ist heute schon möglich. Es braucht Menschen, die Verantwortung übernehmen, offen miteinander sprechen und bereit sind, Gemeinschaft bewusst zu gestal-ten.
Genau daran arbeiten wir mit il Vico. Schritt für Schritt. Mit offenen Augen, realistischen Er-wartungen und der Überzeugung, dass gute Ideen dann am stärksten werden, wenn man sie gemeinsam verwirklicht.

LeNa Haus Basel Aussenansicht (Quelle swiss-arc.ch)
